Barrierespaziergänge

Barrieren zeigen, statt nur über sie zu reden

Drei Barrierespaziergänge durch Ottensen, viele Gespräche und eine einfache Idee: Menschen mit Behinderung zeigen selbst, was ihnen im Alltag im Weg steht.

Die Barrierespaziergänge in Ottensen sind keine Veranstaltung von SIT’N’SKATE. Sie wurden im Rahmen des politischen Engagements von David gemeinsam mit Die Linke Altona initiiert und organisiert. Trotzdem möchten wir hier davon erzählen. Denn die Idee dahinter passt ziemlich gut zu dem, wofür wir uns auch bei SIT’N’SKATE einsetzen: Menschen mit Behinderung sprechen selbst über ihre Erfahrungen – und andere hören zu, fragen nach und werden im besten Fall zu Verbündeten.

Inzwischen haben drei Barrierespaziergänge durch Ottensen stattgefunden. Gemeinsam mit interessierten Menschen ging es jeweils rund 90 Minuten durch den Stadtteil. Dabei wurden nicht irgendwelche theoretischen Beispiele gesucht, sondern die Barrieren gezeigt, die im Alltag tatsächlich stören.

Ein zu hoher Bordstein. Ein Eingang, der wegen einer einzigen Stufe nicht nutzbar ist. Wege, die zugestellt werden. Eine Rampe, die auf dem Papier vielleicht gut klingt, in der Realität aber kaum funktioniert.

Zu vielen dieser Orte gibt es persönliche Geschichten und Anekdoten: Wo musste man um Hilfe bitten? Wo war ein Umweg nötig? Wo kommt man gar nicht rein? Und manchmal auch: Wo wurde eine gute Lösung gefunden?

Nicht nur über Barrieren reden

Genau dieser persönliche Blick macht die Spaziergänge aus.

Barrierefreiheit wird oft sehr abstrakt diskutiert. Es geht um Normen, Zuständigkeiten, Anträge oder einzelne Baumaßnahmen. Beim Barrierespaziergang wird dagegen direkt sichtbar, was fehlende Barrierefreiheit im Alltag bedeutet.

David hat die ersten Spaziergänge in Ottensen mit initiiert, geplant und durchgeführt. Besonders gefreut hat uns, dass inzwischen auch Joscha, ein anderer rollstuhlfahrender Anwohner aus dem Viertel, einen eigenen Spaziergang begleitet hat.

Denn genau das ist die Idee: Es soll nicht immer dieselbe Person erklären, wie Barrieren aussehen. Unterschiedliche Menschen erleben einen Stadtteil unterschiedlich. Ein manueller Rollstuhl, ein E-Rollstuhl oder eine andere Behinderung können ganz andere Probleme sichtbar machen.

Wir hoffen deshalb, dass sich das Format in Ottensen weiterentwickelt und noch mehr Menschen mit Behinderung Lust haben, ihre Perspektive auf das Viertel zu zeigen.

Austausch, der etwas bewegen kann

Die bisherigen Spaziergänge wurden sehr gut angenommen. Besonders schön war der direkte und offene Austausch unterwegs.

Menschen ohne Behinderung konnten Fragen stellen und besser verstehen, mit welchen Hindernissen andere täglich kämpfen müssen. Nachbar*innen kamen miteinander ins Gespräch. Und auch Menschen aus der Bezirkspolitik konnten konkrete Probleme aus dem Stadtteil mitnehmen.

Natürlich verschwindet eine Barriere nicht automatisch, nur weil eine Gruppe davorsteht und darüber spricht. Aber Veränderung beginnt oft damit, dass Probleme sichtbar werden und Menschen verstehen, warum sie etwas angehen sollten.

Unser Wunsch ist deshalb: mehr solcher Formate.

In Ottensen werden sicher weitere Barrierespaziergänge folgen. Die Idee darf aber ausdrücklich auch anderswo aufgegriffen werden – von Parteien, Initiativen, Nachbarschaften oder anderen Gruppen.

Wichtig ist für uns vor allem eines: Menschen mit Behinderung sollten dabei nicht nur Thema sein. Sie sollten selbst zeigen, erzählen und mitentscheiden.

Denn wer wissen möchte, wo die Barrieren sind, sollte zuerst die Menschen fragen, die jeden Tag mit ihnen leben.

Mehr Infos zu den Barrierespaziergängen in Ottensen gibt es bei Die Linke Altona.

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