Skateparks rollstuhlgerecht planen

Grundlagen für Zuschauen, Dabeisein und WCMX
Skateparks sind mehr als Sportanlagen. Sie sind selbstorganisierte Bewegungsräume, Treffpunkte und soziale Orte. Rollstuhlfahrer*innen sollten sie sowohl passiv als Zuschauer*innen, Freund*innen oder Begleitpersonen als auch aktiv zum Rollstuhlskaten beziehungsweise WCMX nutzen können.
Dieser Überblick betrachtet Skateparks aus Rollstuhlperspektive. Andere Behinderungen können weitere oder andere Anforderungen mit sich bringen. Diese sollten gemeinsam mit den jeweiligen Nutzer*innen und Selbstvertretungsorganisationen berücksichtigt werden.
1. Die ganze Anlage barrierefrei erschließen
Nicht nur die Skateparkfläche, sondern die gesamte Wegekette sollte barrierefrei geplant werden:
- Anreise, Haltestellen und Parkplätze
- Zuwege und Eingänge
- Aufenthalts- und Zuschauer*innenbereiche
- Toiletten und weitere Infrastruktur
Geeignet sind feste, ebene und erschütterungsarme Oberflächen. Kopfsteinpflaster, loser Schotter, Sand, Rasen und unbefestigte Wege können die selbstständige Nutzung erheblich erschweren oder unmöglich machen.
Außerhalb des eigentlichen Skateparkterrains sollten die Anforderungen des barrierefreien Bauens eingehalten werden. Innerhalb des sportlich genutzten Terrains können dagegen bewusst Herausforderungen bestehen. Entscheidend ist, dass die Anlage sinnvolle und möglichst selbstständig nutzbare Wege und Bewegungsmöglichkeiten bietet.
2. Passive Nutzung gehört zum Skatepark
Skateparks leben vom Wechselspiel zwischen aktiven und passiven Nutzer*innen: Menschen skaten, schauen zu, filmen, unterstützen sich und verbringen gemeinsam Zeit.
Der innere Aufenthaltsbereich sollte deshalb unmittelbar mit der Skatefläche verbunden sein. Rollstuhlfahrerinnen dürfen nicht abseits oder hinter anderen Besucherinnen platziert werden.
Wichtig sind:
- gute Sichtachsen auf das Skateparkterrain
- barrierefrei erreichbare Zuschauer*innenbereiche
- freie Plätze direkt neben Bänken und Tischen
- ausreichend Bewegungs- und Wendeflächen
- Schatten- und Wetterschutz
- eine verlässlich nutzbare barrierefreie Toilette
Aufenthaltsbereiche sollten nah genug an der Skatefläche liegen, damit Austausch, gegenseitige Unterstützung und soziale Zugehörigkeit möglich bleiben. Die räumliche Nähe zwischen aktiven und ruhenden Nutzer*innen ist ein wichtiger Bestandteil der Skateparkplanung (vgl. Kilberth 2021).
3. Das Terrain vom Bewegungsfluss her denken
Ein Skatepark besteht nicht nur aus einzelnen Hindernissen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von:
- Terrainstruktur
- Startpunkten
- Terrainelementen beziehungsweise Obstacles
- Fahrwegen und Lines
- Geschwindigkeiten
- Ein- und Ausgängen
Eine gute Terrainstruktur ermöglicht einen nachvollziehbaren Bewegungsfluss – den Flow. Die Elemente sollten so angeordnet sein, dass sie sinnvoll nacheinander oder auf unterschiedlichen Wegen befahren werden können. Lineare und multidirektionale Fahrwege können dabei miteinander kombiniert werden.
Für WCMX bedeutet das: Ein erreichbarer Startpunkt oder ein einzelnes Roll-on-Element reicht nicht aus. Startpunkt, Anfahrt, Elemente, Richtungswechsel, Auslauf und Rückweg müssen zusammen eine sinnvoll befahrbare Line bilden.
4. Startpunkte erreichbar machen
Erhöhte Startpunkte sind für WCMX besonders wichtig, da Rollstuhlfahrer*innen auf ebener Fläche nur begrenzt Geschwindigkeit aufbauen können.
Mindestens ein niedriger oder mittelhoher Startpunkt sollte deshalb barrierefrei erreichbar und auch für Anfänger*innen geeignet sein. Weitere Startpunkte sollten möglichst barrierefrei oder zumindest barrierearm erschlossen werden.
Zu beachten sind:
- Breite und Länge der Zufahrt
- Steigung und Anfahrtsmöglichkeit
- gegebenenfalls Zwischenpodeste oder Handläufe
- ausreichend Platz zum Wenden, Ausrichten und Warten
- sichere Einbindung in die vorhandenen Lines
Wie eine Zufahrt konkret gestaltet werden kann, hängt von der Topografie, der verfügbaren Fläche und der Höhe des Startpunkts ab. Technische Details sollten deshalb gemeinsam mit erfahrenen WCMX-Skater*innen und einem spezialisierten Skatepark-Planungsbüro entwickelt werden.
5. Basic Features und Roll-on-Elemente zuerst
Ein guter Skatepark bietet eine Mischung unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Niedrige Grundhöhen und einfachere Basic Features ermöglichen den Einstieg, während anspruchsvollere Elemente Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Deshalb sollten zunächst ausreichend grundlegende und vielseitig nutzbare Elemente geplant und erst anschließend besondere Einzelobjekte ergänzt werden (vgl. Kilberth 2021).
In der gemeinsamen Untersuchung von Veith Kilberth, Lisa Lebuser und David Lebuser wurden Roll-on Features als eine zentrale Voraussetzung für die selbstständige WCMX-Nutzung von Skateparks herausgearbeitet. Gemeint sind Terrainelemente, die befahrbar mit dem Boden beziehungsweise der Skatefläche verbunden sind und deshalb ohne einen vorherigen Absprung erreicht werden können.
Unterschieden werden kann zwischen:
- allgemeinen Roll-on-Elementen, die auch von anderen Rollsportarten genutzt werden können, und
- spezifischen WCMX-Elementen, deren Maße und Gestaltung beispielsweise die Breite des Rollstuhls, den Radstand und die Höhe der Grindbar berücksichtigen.
Mögliche Roll-on-Elemente sind beispielsweise:
- Manual Pads mit flachen Auffahrten
- niedrige Ledges und Curbs, die bodennah beginnen oder über eine Auffahrt erreichbar sind
- eckige Rails mit befahrbarer Auffahrt
- Rainbow Rails
- Banks und Transitions
- Speed Bumps und Wobbles
- speziell dimensionierte Roll-on-Grind-Elemente
Roll-on-Elemente sollten nicht isoliert betrachtet werden. Anfahrt, Breite, Höhe, Ausrichtung und Auslauf müssen so gestaltet sein, dass sie in eine sinnvoll befahrbare WCMX-Line eingebunden werden können.
Ein inklusiv geplanter Anfängerinnenbereich mit niedrigen Obstacles, ausreichend langen Anfahrten und großzügigen Bewegungsflächen hilft auch Kindern und Anfängerinnen anderer Rollsportarten.
6. Nutzbare Lines schaffen und Fallen vermeiden
Als Mindestangebot sollte mindestens eine vollständige WCMX-Line vorhanden sein. Sie umfasst:
- einen selbstständig erreichbaren Startpunkt
- eine passende Anfahrt und ausreichende Geschwindigkeit
- mehrere sinnvoll angeordnete Elemente
- ausreichende Breiten und fahrbare Richtungswechsel
- einen sicheren Auslauf
- einen selbstständig nutzbaren Ausgang und Rückweg
Besonders bei Bowls, Pools, Snakeruns, Flowbereichen und tiefergelegten Terrains muss der Rückweg von Anfang an mitgeplant werden.
Wer selbstständig in einen Bereich hineinfahren kann, muss ihn auch wieder selbstständig verlassen können.
Ein Skatepark darf nicht auf den ersten Blick zugänglich wirken, Rollstuhlfahrer*innen aber auf einer tieferliegenden Ebene festsetzen. Solche Fallen können Frust, Angst und vermeidbare Abhängigkeit von fremder Hilfe erzeugen.
Geeignete Lösungen können sein:
- offene Bowls
- ebenerdige Ein- und Ausgänge
- integrierte Ausfahrtsrampen
- zusätzliche Rückwege
- mehrere Ausgänge mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden
- unterstützende Handläufe an geeigneten Stellen
Ein barrierefreier Zugang zur Anlage, Roll-on-Elemente, ein erreichbarer Startpunkt, eine befahrbare Line sowie ein selbstständig nutzbarer Ausgang bilden zusammen das fachlich beschriebene Mindestangebot für WCMX-Teilhabe (vgl. Kilberth, Lebuser & Lebuser 2024).
7. Nutzer*innen von Anfang an beteiligen
Skateparks verfügen über ein großes kreatives Gestaltungsspektrum. Damit das Ergebnis zu den örtlichen Bedarfen passt, müssen die zukünftigen Nutzer*innen frühzeitig beteiligt werden.
Zu einer guten Planungsgruppe gehören:
- die Kommune als Bauherrin
- die lokale Rollsport-Community
- ein spezialisiertes Skatepark-Planungsbüro
- Rollstuhlfahrerinnen und WCMX-Skaterinnen
Die Beteiligung der Nutzer*innen ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Akzeptanz und langfristige Nutzbarkeit eines Skateparks. Ziel sollte sein, unterschiedliche Sportgeräte, Könnenniveaus und Nutzungsperspektiven einzubeziehen (vgl. Kilberth 2021).
Rollstuhlfahrerinnen und WCMX-Skaterinnen sollten bereits bei der Aufgabenstellung und den ersten Entwürfen beteiligt werden – nicht erst kurz vor der Fertigstellung.
Gibt es vor Ort noch keine WCMX-Community, sollte externe Expertise hinzugezogen werden. Dass bisher keine Rollstuhlfahrer*innen einen Skatepark nutzen, bedeutet nicht, dass kein Bedarf besteht. Häufig verhindert gerade die vorhandene Gestaltung ihre Teilnahme.
8. Zugänglichkeit ehrlich kommunizieren
Auf der Website und am Skatepark sollten konkrete Informationen zur Zugänglichkeit bereitgestellt werden:
- Möglichkeiten der barrierefreien Anreise
- Beschaffenheit der Zuwegung
- vorhandene Rollstuhlparkplätze
- Fotos von Eingängen, Wegen und Skateflächen
- zugängliche Bereiche und Startpunkte
- vorhandene Roll-on-Elemente
- Lage und Zugänglichkeit der barrierefreien Toilette
- bekannte Einschränkungen und Barrieren
- Kontaktmöglichkeit für Rückfragen
Ehrliche und konkrete Informationen sind hilfreicher als die pauschale Behauptung, eine Anlage sei barrierefrei. So können Menschen selbstbestimmt entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen sie den Skatepark nutzen können.
Auf der Beschilderung sollte der Rollstuhl außerdem nicht ausschließlich als Hilfsmittel oder Symbol für passive Besucher*innen, sondern auch als Sportgerät dargestellt werden.
Die wichtigsten Grundlagen
Ein rollstuhlgerecht geplanter Skatepark bietet mindestens:
- eine durchgängige barrierefreie Wegekette
- gemeinsame Aufenthalts- und Zuschauer*innenbereiche
- eine barrierefreie Toilette
- einen barrierefrei erreichbaren Startpunkt
- einfache Basic Features und Roll-on-Elemente
- mindestens eine vollständige WCMX-Line
- selbstständig nutzbare Ausgänge und Rückwege
- frühzeitige Beteiligung von Rollstuhlfahrer*innen
- konkrete und ehrliche Informationen zur Zugänglichkeit
Ein Skatepark ist nicht bereits inklusiv, weil Rollstuhlfahrer*innen bis zur Skatefläche gelangen können. Sie müssen ankommen, dazugehören und – wenn sie möchten – selbstständig skaten können.
Für die konkrete Planung empfehlen wir die frühzeitige Zusammenarbeit mit erfahrenen WCMX-Skaterinnen und spezialisierten Skatepark-Planerinnen.
Quellen und Literatur
- Kilberth, Veith (2021): Skateparks. Räume für Skateboarding zwischen Subkultur und Versportlichung. Bielefeld: transcript Verlag.
- Kilberth, Veith; Lebuser, Lisa; Lebuser, David (2024): „Zur Teilhabe von WCMX-Skater*innen in Skateparks. Eine erste Annäherung an eine inklusivere Planung von Skateanlagen“. In: Bükers, Frederik; Krieger, Claus; Bindel, Tim (Hrsg.): Sport und Raum im Spiegel von Inklusion und Diversität, S. 56–77.