{"id":1317,"date":"2018-08-29T00:02:12","date_gmt":"2018-08-28T22:02:12","guid":{"rendered":"http:\/\/lisa-and-david.net\/?p=1317"},"modified":"2022-10-17T16:19:32","modified_gmt":"2022-10-17T14:19:32","slug":"10-jahre-rollilaeum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sitnskate.de\/ls\/aktuelles\/10-jahre-rollilaeum","title":{"rendered":"10 Jahre Rollil\u00e4um"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1319 size-full\" src=\"https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/wcmx-flora2013.jpg\" alt=\"\" width=\"1772\" height=\"1181\" srcset=\"https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/wcmx-flora2013.jpg 1772w, https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/wcmx-flora2013-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/wcmx-flora2013-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/wcmx-flora2013-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/wcmx-flora2013-1536x1024.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1772px) 100vw, 1772px\" \/><\/p>\n<p>Vor 10 Jahren bin ich bei einer Geburtstagsparty angetrunken von einem Treppengel\u00e4nder gepurzelt, den Treppenschacht hinunter gest\u00fcrzt und mir dabei den R\u00fccken gebrochen. Ziemlich schmerzhaft, ziemlich bl\u00f6d und mit der Konsequenz einer Querschnittl\u00e4hmung!<\/p>\n<p>Die Diagnose &#8211; ein Schock! Ungewissheit, Trauer und Sorge waren die ersten Gef\u00fchle die ich hatte. Ich konnte die ersten Tage nur im Bett liegen, mich nicht alleine drehen und schon gar nicht aufstehen. Und was macht man dann? Man schaltet den Fernseher ein! Und Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck liefen dort die Paralympics. Perfekt abgepasst, zeigte mir dieser schnelle und attraktive Sport doch eine Perspektive und gab mir neue Hoffnung.<\/p>\n<p>Die ersten Tage f\u00fchlten sich dann eher so an, als ob man sich etwas gebrochen hat und man bald wieder nach Hause kommt und alles beim Alten ist. Doch so war es nicht und auch das wusste man ja irgendwie. Die ersten Wochen und Monate waren ein Mix aus Hoffnung, Fortschritten, neuen Perspektiven, aber auch Depressionen und Trauer. Als die Physiotherapeutin das erste mal den Rollstuhl ans Bett schob, war es eine Befreiung. \u00a0Endlich kam ich aus diesem Bett raus und konnte mich selbst bewegen. Der Rollstuhl, so viel war klar, ist hier nicht das Problem!<\/p>\n<p>In der Reha war ich hochmotiviert mein neues Fortbewegungsmittel kennen zu lernen. Mein oberstes Ziel war aber wieder selbstst\u00e4ndig zu werden. Ich wollte keine Hilfe brauchen! Sah ich eine L\u00fccke im Therapieplan, habe ich sie f\u00fcllen lassen, hatte ich Freizeit, war ich im Kraftraum, in der Sporthalle oder im Treppenhaus mit meinem Rollstuhl &#8211; Treppen fahren \u00fcben.<\/p>\n<p>Ein Freund zeigte mir ein Video von Aaron Fotheringham und ich wusste, dass alles was ich \u00fcber Rollstuhlfahrer zu wissen dachte, f\u00fcr&#8217;n Arsch ist. Vorurteile aus der Gesellschaft und den Medien, die nicht im Ansatz stimmten. Keine Pferdedecken, kein Gesabber, naja manchmal ein bisschen Gesabber&#8230; und vor allem keine Hilfe von irgendwelchen Schiebomaten!<\/p>\n<p>Als ich gelernt hatte vom Boden wieder in den Rollstuhl zu kommen, was harte Arbeit war, fuhr ich sofort in den Skatepark. Schlie\u00dflich konnte mich jetzt nichts mehr aufhalten. Als ich die Rampen sah, gab ich Gas. Ich fuhr auf die Quarter zu, fuhr hoch und fiel um. Alle BMXer sprangen auf und dachten wohl ich wollte mich umbringen oder so&#8230; Aber ich lag am Boden und war der Gl\u00fccklichste Mensch der Welt!<\/p>\n<p>WCMX, Hardcore Sitting, Chairskating, egal wie man es nennt oder genannt hat. Es war mein Anker, meine neue Hoffnung, meine Freiheit. Das Gef\u00fchl dort am Boden zu liegen, der Rollstuhl neben mir und zu wissen ich stehe wieder auf und probiere es nochmal, war berauschend. Ich versuchte es wieder und kam auch irgendwie wieder heil unten an. Seit dem besuchte ich den Skatepark regelm\u00e4\u00dfig. Anfangs waren es weniger Tricks, als einfach eine Spielwiese um meinen Rollstuhl noch besser beherrschen zu lernen.<\/p>\n<p>Auch in der Stadt nutzte ich jede Gelegenheit, Treppen, Rampen, Kanten, Mauern, alles was potentiell nicht mit dem Rollstuhl bezwingbar war, war gerade Herausforderung genug. Wenn jemand sagte: &#8220;Da kommst du mit dem Rollstuhl nicht hoch\/rein.&#8221; Dann war das mein Startzeichen!<\/p>\n<p>2012 flog ich das erste mal in die USA um mit anderen Rollstuhlskatern bei They Will Skate Again eine fette Session zu haben. Ich lernte in den 2 Tagen dort mehr als in den 4 Jahren zuvor! Nicht zuletzt deswegen wollte ich nun auch in Deutschland andere begeistern mit mir in den Skatepark zu kommen. Doch vielen Skatehallen war das noch zu heikel, Versicherung und so&#8230;<\/p>\n<p>Auf einem Sommerfest der UKB Berlin lernte ich jemanden vom Deutschen Rollstuhl-Sportverband kennen. Er meinte wir sollten Skate Workshops organisieren und ich war Feuer und Flamme. Zusammen mit dem Hamburger Verein UTE e.V. gab es dann auch bald den ersten Skate Workshop f\u00fcr Rollstuhlfahrer in Hamburg.<\/p>\n<p>Ich war zwar regelm\u00e4\u00dfig skaten und spielte auch Rollstulhbasketball, aber in Helsinki fand ich eine neue Spielwiese: Die Natur! Die Felsen, in der Eiszeit geformt, waren wunderbar um sie mit dem Rollstuhl zu bezwingen. Ich machte davon Videos und stellte sie auf Youtube und sie wurden gesehen! Sogar von jemanden, der mir daraufhin ein Jobangebot in Dortmund machte.<\/p>\n<p>Nach meiner Zeit in Berlin, die eine Phase des &#8220;es kann jeden Tag vorbei sein&#8221; Lebens war mit viel Party, Konzerten, Fast Live halt, war Dortmund nun viel ruhiger. Vor allem hatte ich eine feste Arbeit, einen geregelten Rhythmus und es kamen die Skateworkshops dazu. Ich fand also gleich mehrere neue Aufgaben. Aufgaben, die mich erf\u00fcllten und gl\u00fccklich machten. Der Typ, der einen Treppenschacht runter gefallen ist, ist nun auf einmal Vorbild und Motivation f\u00fcr andere.<\/p>\n<p>Bei einem dieser Skateworkshops lernte ich Lisa kennen. Sie war Teilnehmerin eines Skateworkshops in Kassel und, so berichten Augenzeugen, funkte es direkt sehr stark zwischen uns. Obwohl ich behaupte, den Workshop ganz professionell durchgef\u00fchrt habe und niemanden besonders bevorzugt habe. Aber die Funken waren wohl hell und so trafen Lisa und ich uns schon am n\u00e4chsten Tag wieder in der Dortmunder Skatehalle. Trotz der hellen Funken brauchten wir noch einige Skate Sessions, Kinobesuche und sogar einen Hamburgtrip um diese Funken endliche selbst zu erkennen.<\/p>\n<div id=\"attachment_550\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/lisa-und-david.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-550\" class=\"size-medium wp-image-550\" src=\"https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/lisa-und-david.jpg?w=300\" alt=\"Ein gr\u00fcnes neues Jahr! - Foto: Anna Spindelndreier\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/lisa-und-david.jpg 1772w, https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/lisa-und-david-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/lisa-und-david-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/lisa-und-david-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/lisa-und-david-1536x1024.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-550\" class=\"wp-caption-text\">Ein gr\u00fcnes neues Jahr! &#8211; Foto: Anna Spindelndreier<\/p><\/div>\n<p>In den folgenden Jahren gab es viele Skate Workshops und es entstand eine kleine Szene, mal aktiver und mal weniger, aber best\u00e4ndig wachsend. Medieninteresse begleitete die Anfangsphase, was die Nachfrage in enorme H\u00f6hen katapultierte. Das Problem war, dass ich mittlerweile fast jedes Wochenende unterwegs war und kaum noch Zeit hatte etwas anderes zu machen. Fast unbemerkt war ich dem Burnout nahe. Zum Gl\u00fcck fanden sich mittlerweile einige Skater, die Workshops \u00fcbernehmen konnten, sodass ich mich etwas sortieren konnte.<\/p>\n<p>In dieser Sortierung entstanden neue Projekte, wie z.B. sit&#8217;n&#8217;skate, was aber auch Schritt f\u00fcr Schritt passierte. Ich musste mich erst freiberuflich selbstst\u00e4ndig machen, ein Filmprojekt starten und Teil eines gleichnamigen Fotobandes sein um das Offensichtliche zu sehen: SIT N SKATE!<\/p>\n<p>Mittlerweile darf ich mich Deutscher WCMX Meister nennen, war Weltmeister, bin mehrfacher Bronzegewinner bei internationalen WCMX Competitions. Es gab die ersten WCMX Meisterschaften in Deutschland, ich bereise mit Lisa die Welt, wohne in Hamburg und habe einen Job und Aufgaben f\u00fcr die ich gerne aufstehe.<\/p>\n<div id=\"attachment_1322\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/p-day-4-19_08_18-2294.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1322\" class=\"wp-image-1322 size-medium\" src=\"https:\/\/www.sitnskate.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/p-day-4-19_08_18-2294.jpg?w=300\" alt=\"1. International German WCMX Championships 2018 Foto: Michler\/Mandau \" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1322\" class=\"wp-caption-text\">1. International German WCMX Championships 2018 Foto: Michler\/Mandau\/DRS<\/p><\/div>\n<p>Als ich vor 10 Jahren die Diagnose bekam, war das alles nicht vorherzusehen. Es war schlicht unm\u00f6glich mit dem Rollstuhl skaten zu gehen oder die Welt zu bereisen. Es war unvorstellbar, dass dieses H\u00e4ufchen Elend in dem Krankenhausbett ein Vorbild und Motivator f\u00fcr andere sein k\u00f6nne. Aber mit kleinen Zielen und den damit verbundenen Erfolgserlebnissen konnte ich das Unm\u00f6gliche m\u00f6glich machen und schaffe heute Sachen, die ich vorher f\u00fcr nicht m\u00f6glich gehalten habe!<\/p>\n<p>Auch heute ist es unvorstellbar was in den n\u00e4chsten 10 Jahren passiert, aber dieses mal bin ich mir sicher, dass wir in 10 Jahren wieder auf tolle Erinnerungen, gro\u00dfe Erfolge und viele Meilensteine zur\u00fcck blicken k\u00f6nnen. In diesem Sinne: Auf die n\u00e4chsten 10 Jahre und die beginnen heute mit einem Roadtrip Richtung S\u00fcden&#8230; Stay tuned!<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"H2O - ONE LIFE ONE CHANCE - HARDCORE WORLDWIDE (OFFICIAL HD VERSION HCWW)\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/J0XB652KtME?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 10 Jahren bin ich bei einer Geburtstagsparty angetrunken von einem Treppengel\u00e4nder gepurzelt, den Treppenschacht hinunter gest\u00fcrzt und mir dabei den R\u00fccken gebrochen. Ziemlich schmerzhaft, ziemlich bl\u00f6d und mit der Konsequenz einer Querschnittl\u00e4hmung! Die Diagnose &#8211; ein Schock! Ungewissheit, Trauer und Sorge waren die ersten Gef\u00fchle die ich hatte. 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